TdoT 2007

Der "Tag der offenen Tür" der Abteilung Bietigheim fand 2007 vom 19. bis 21. Mai in und um die Feuerwache in den Mühlwiesen statt. Das Programm beinhaltete Schauübungen der Aktiven sowie Jugend, Wachbesichtigunen, Kinderfahrten, Kinderschminken, Musik und viele weitere Punkte. Die Bewirtung über die drei Tage hinweg wurde in der gewohnten Qualität von den Kameraden der aktiven Abteilung übernommen.

 

SCHAUÜBUNG / BIETIGHEIMER WEHRLEUTE ZEIGEN AUF DEM MARKTPLATZ IHR KÖNNEN

Retter kommen durch das Fenster. Personen aus Arkadengebäude geholt - Unterschiedliche Geräte im Einsatz

Die Gassen in der Altstadt sind eng, die Häuser stehen dicht an dicht. Keine idealen Voraussetzungen für einen Löscheinsatz der Bietigheimer Wehr. Aber auch damit kommen die geschulten Feuerwehrleute zurecht, wie sie bei einer Schauübung am Samstag demonstrierten.

"Die Zufahrtswege hier am Marktplatz sind äußerst beengt. Zudem sind vor vielen Geschäften in der Fußgängerzone Stände aufgebaut, was die Anfahrt für die Löschfahrzeuge nicht einfacher macht", beschrieb der Pressebeauftragte der Bietigheimer Wehr, Jochen Mühlstrasser, die schwierigen Bedingungen, unter denen die diesjährige Schauübung im Herzen der Altstadt ablief.

Dichter Rauch quoll aus den Fenstern in den Obergeschossen des Arkadengebäudes. "Hilfe, es brennt", riefen die Personen in den Etagen und lehnten sich weit aus dem Fenster. Sie waren vom Feuer, das angeblich im Treppenhaus des Gebäudes ausgebrochen war, überrascht worden und konnten sich nicht mehr selbst befreien. Doch Rettung nahte. Kurz nach 15.00 Uhr trafen mit lauten Sirenen das Tanklöschfahrzeug und der Einsatzleitwagen der Bietigheimer Wehr ein. Einsatzleiter Hermann Bitz verschaffte sich schnell einen Überblick über die angebliche Gefahrenlage. Er schickte einen ersten Rettungstrupp mit Atemschutzgeräten in das Gebäude.

"Jeder Feuerwehrmann hat bei einem Einsatz zusätzlich zu seinem Körpergewicht noch rund zwölf Kilogramm an Schutzausrüstung mit sich zu tragen", erklärte Mühlstrasser, während im Hintergrund das Drehleiterfahrzeug heranrollte. Es war mit drei Wehrmännern besetzt, welche die Drehleiter an der Südseite des Arkadengebäudes ausfuhren. Dort schrie nämlich ein Mann an einem kleinen Dachgeschossfenster aus Leibeskräften um Hilfe.

"Die Drehleiter kann bis zu 30 Meter weit ausgefahren werden. Sie ist neben der dreiteiligen Schiebleiter, die bis in eine Höhe von zwölf Metern reicht, ein wichtiges Gerät für die Rettung von eingeschlossener Personen", so Mühlstrasser. Zudem lässt sich am Drehleiterkorb auch das sogenannte Rollglies befestigen. Dieses Rettungsgerät funktioniert wie ein Flaschenzug und ermöglicht mittels eines Tragegurtes oder einer Rettungswanne das Abseilen von verletzten Personen. Am Samstagnachmittag seilte sich ein Wehrangehöriger im Sitzgurt an der hohen Hauswand hinab und erzeugte damit vor allem bei den kleinen Zuschauern der Schauübung großes Staunen.

Aber die Bietigheimer Wehrleute hatten noch mehr spektakuläre Übungen auf Lager. Ein weiterer eingeschlossener Bewohner wurde über die dreiteilige Schiebleiter befreit. "Auch hier wird die Person, bevor sie die Leiter betritt, angeseilt. Wir müssen zahlreiche Rettungsknoten für diese Einsätze kennen. Zudem geht ein Wehrmann vor der Person die Leiter hinab, um ihr Hilfestellungen geben zu können", betonte der Pressewart der Bietigheimer Wehr.

Kaum war der junge Mann in Sicherheit gebracht worden, drohte schon weiteres Ungemach aus dem zweiten Obergeschoss. Dort hatten die Wehrleute eine Puppenattrappe am Fenster aufgebaut, die kurz danach auf das bereit gestellte Luftpolster auf dem Marktplatz geworfen wurde. "Die jahrelang verwendeten Sprungtücher sind nicht mehr zulässig. Sie konnten nur mit vielen Wehrleute aufgebaut werden und waren zu gefährlich. Für den Aufbau des Luftpolsters genügen vier Wehrleute", machte Mühlstrasser deutlich.

Um 15.30 Uhr war die Hauptübung, bei der sich 22 Wehrleute mit vier Einsatzfahrzeugen und zahlreichen Gerätschaften schwerpunktmäßig um die Rettung eingeschlossener Personen kümmerten, erfolgreich beendet.

Anschließend zog Stadtbrandmeister Jörg Mezger mit seinen Mannen und den zahlreichen Zuschauern zum Feuerwehrfest an die städtische Feuerwache. Dort warteten auf Groß und Klein zahlreiche Attraktionen wie die Besichtigung des neuen Übungsturms oder das Fahren mit den unterschiedlichen Löschfahrzeugen.

VON MICHAELA GLEMSER / Bietigheimer Zeitung